Montag, 12. September 2016

Zu viele Ideen und zu wenig Romane

Die meisten Kreativen haben mit diesem Problem zu kämpfen: sie haben zu viele Ideen.
Und diese Ideen kommen gerne dann, wenn man an einem anderen Projekt arbeitet. Und viel zu häufig etwas ganz anderes wollen: Eine andere Idee, andere Protagonisten und ein ganz anderes Genre.

Mir ist es in all den Jahren nur selten gelungen, dieser Verführung zu widerstehen.
Kommt diese neue Idee, während das eigentliche Projekt in der Planungsphase ist, passiert es mir immer wieder, dass ich mich an die neue Idee gemacht habe – und nicht an das, was eigentlich anstand.

Das ist nicht ganz so gravierend, wenn man abgeschlossene Einzelromane schreibt.
Wenn man aber wie ich gerne an Serien, Reihen oder Mehrteilern arbeitet, kann das über kurz oder lang zu einem sehr belastenden Problem werden.

Derzeit arbeite ich mit ("mit", nicht "an"!) vier Projekten: 

Echt was zu tun, richtig?
Richtig. Und das sorgt für eine unglaubliche Blockade.
Denn egal, welches Projekt ich verfolge, ich vernachlässige automatisch die drei anderen (von neuen Ideen ganz zu schweigen, aber das brauche ich ja nicht zu erwähnen, oder?).

Und damit steht dieses eine Projekt unter enormem Druck.
Was macht diesen Roman so besonders, so wichtig, so den-muss-ich-jetzt-aber-auch-schreiben!, dass ich ihn vorziehe? Hätten die anderen drei nicht genauso ihren Anspruch darauf?

Was üble Konsequenzen haben kann.
Man schreibt gar nichts mehr, weil man sich nicht entscheiden kann. Weil man unterschwellig die Angst nicht abschütteln kann, egal, welchen Roman man auswählt, es ist die falsche Entscheidung.

Und die Folge ist: gar kein neuer Roman entsteht.
Verheerend. Davon habe ich als Kreativer nichts, der seine Romane schreiben will. Davon habe ich als Freiberufler nichts, der damit sein Geld verdient. Davon haben meine Leser nichts, die (hoffentlich) meine Romane lesen wollen.

Es gibt AutorInnen, die es schaffen, mit mehreren Projekten gleichzeitig zu jonglieren.
Glückwunsch! Mir will das leider nicht gelingen.
Vielleicht gerade noch mit zweien. Aber nicht so, wie ich das da oben angerichtet habe. Da ich nicht vorhabe, eines der Projekte zu beerdigen (ob still und leise oder zerknirscht oder mit Schulterzucken), brauche ich eine Lösung.


Und die heißt Zeitmanagement und Projektierung.

Solange ich Angestellter war, war das eindeutig geregelt.
Es gab ein Projekt. Das musste das und das enthalten. Und bis zu diesem und jenem Termin fertig sein. Punkt. Man musste schon sehr (sehr!) triftige Gründe gegenüber Vorgesetzten haben, wenn man sich nicht an diese Vorgaben gehalten hat.

Da ich inzwischen ja mein eigener Vorgesetzter bin, werde ich das nun auch von mir einfordern.

1. Eine Reihenfolge festlegen
Das heißt, ich muss eine Entscheidung über die Reihenfolge treffen. Und zwar zügig. Welche Fortsetzung ist am dringlichsten? Auf welche warten Leser? Welche ist am erfolgversprechendsten? Und – es soll ja Spaß machen – zu welcher hätte ich spontan am meisten Lust? Spontan. Aus dem Bauch heraus. Ohne abzuwägen.

2. Ein realistisches Zeitfenster erstellen
Ein Roman besteht aus Planen, Schreiben, Überarbeiten und Veröffentlichen. Je mehr man in seinem Leben geschrieben hat, desto mehr hilft einem die Erfahrung dabei, den zeitlichen Aufwand ziemlich gut einzuschätzen. So und so viel Roman in der und der Zeit.

3. Ein konkretes Veröffentlichungsdatum setzen
Dieser Druck hat mir schon immer geholfen. Der Blick auf den Kalender ist ein effektiver Antrieb. Die Monatsmiete wartet schließlich auch nicht darauf, wann mich die Muse küsst.
Solange ich mir einen Puffer einräume. Schließlich kann immer irgendetwas dazwischenkommen. Aber dafür erstelle ich ja auch im Schritt davor ein realistisches(!) Zeitfenster, kein utopisches.


Der erste Punkt ist vielleicht die größte Überwindung.
Ich habe nun die Reihenfolge für die fünf nächsten Romane festgelegt. Und bevor die nicht umgesetzt sind, sperre ich auch jeden neuen Plotbunny in den gedanklichen Stall. Hoppelt dort weiter.

Nichts ist schlimmer für einen Autor, als wenn er nicht schreibt. Selbst ein leidlich guter Roman ist immer noch besser als gar kein Roman (da mögen andere anderer Ansicht sein, aber ich schreibe Serien zur Unterhaltung, und die Leser warten auf eine Fortsetzung).
Und auch ein leidlich guter Roman verkauft sich immer noch besser als gar kein Roman.
Hätte er besser sein können?
Selbstkritisch betrachten – und beim nächsten besser machen.

Das geht aber umso besser, wenn man den nächsten Roman beim Wort "Ende" schon fest im Blick hat.

Der nächste Roman ist immer der wichtigste. Und nur der.

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